Dokumente zur Sprengung der Paulinerkirche 1968

Hier werden Dokumente, die nach der Friedlichen Revolution 1989 der Öffentlichkeit zugingen, veröffentlcht.

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23.05.1968: Letzte evangelische Predigt am Himmelfahrtstag 1968 in der Universitätskirche St. Pauli - Predigt durch den Ersten Universitätsprediger, Prof. Dr. Heinz Wagner
Zur gleichen Stunde, da wir hier Gottesdienst halten, fällt im Neuen Rathaus die Entscheidung über das Schicksal unserer Universitätskirche. Wer will es uns verwehren, daß wir aufgewühlt sind? Wir sind ja Menschen! Luther hat in einer Predigt gesagt: “Denn Gott hat den nicht also geschaffen, daß er ein Stein oder Holz sein sollte…Denn das ist er nicht ein fester Mann, der sich so stark dingt, daß er‘s nicht fühlen wollte, so ihm ein gut Freund entfällt.“ Auch über den Prediger flutet eine Welle von Traurigkeit und Bitterkeit. Seit vielen Generationen hat wohl kaum ein Diener Gottes so betroffen und so ratlos auf dieser Kanzel gestanden.
1968_05_23 Predigt Wagner.pdf
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Prof. Dr. hc. Wagner "Impressionen zur Sprengung der Universitätskirche zu Leipzig“.
Wie mir der Erbauer der neuen Oper, Architekt Nierade mündlich mitteilte, habe beim Rundgang Walter Ulbricht auf der Brüstung des neuen Hauses mit dem Finger auf die Unikirche gezeigt und gesagt: "Die Kirche muß weg!"- Es wird auch überliefert, daß er heimlich die Kirche besucht habe. Er kannte. also auch ihre innere Schönheit. Sie erfassen konnte er wohl nicht.
Wagner_zur_Sprengung.pdf
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23.05.1968: Auszug aus der Rede des Oberbürgermeisters Walter Kresse auf der 15. Tagung der Stadtverordnetenversammlung - Die Vernichtung der Universitätskirche
Unserer sozialistischen Gesellschaftsordnung ist es vorbehalten, den Platz völlig neu zu gestalten. Dabei haben wir den Mut, mit Kühnheit und hoher Verantwortung für unsere sozialistische Gegenwart und Zukunft dieses gigantische Aufbauwerk zu vollenden. Wir werden als Abschluß der Bebauung des Karl-Marx-Platzes auf universitätseigenem Gelände einen neuen zentralen Komplex der Karl-Marx-Universität als Stätte der Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung errichten. Gebaut wird ein Hauptgebäude mit modernsten Ausbildungseinrichtungen, in dessen
Erdgeschoßzonengestaltung eine besonders wirkungsvolle Kommunikation von studentischer Jugend und
Arbeiterklasse, lernende und sich qualifizierende Bürger, und durch Ausstellungen und andere neue
Formen der Gestaltung eine enge Anteilnahme an den Leistungen der Karl-Marx-Universität ermöglicht
wird.
1968_05_23 Kresse.pdf
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Mai 1968: Der Untergang der Leipziger Universitätskirche im Mai 1968 - Was ich davon erlebte, sah und hörte
Es werden die Tage vor und zur Sprengung in einem Erlebnisbericht - im Kirchlichem Archivs Leipzig aufbewahrt - geschildert. Der Bericht dokumentiert die täglichen Beobachtungen und Gespräche vom 16. Mai bis zum 31. Mai - mit einem Nachtrag vom 7. Juli 1968.
1968_Mai Erlebnisbericht_Kirchenarchiv.p
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Baggerhelfer Kratzsch berichtet von der Sprengung der Paulinerkirche am 30.05.1968
Der Bagger mit jedem Hup eine Tonne auf die Lastwagen. Am Nachmittag wurde eine Gruft aufgerissen, ein Mann im schwarzen Talar lag darin, in 10 Minuten war alles im Schutt verschwunden. An der Ostseite der Kirche kam ein ca. 75x50 cm großer Bleisarg zum Vorschein. Die Seite ist aufgerissen, obwohl das Blei 1 cm stark ist; in einem darin befindlichen Holzkasten lagen etwa 5 Bein- und Armknochen, sicher eine Überführung. Aus den Grüften unter der Kirche kommen immer wieder menschliche Knochen und Schädel zum Vorschein. Es darf nichts angefasst werden, alles wandert auf die Schuttautos. Die Fahrt geht in Richtung Probstheida, in eine von der Polizei streng abgesperrte Sandgrube, wo alles abgekippt wird. Nun kommen immer mehr Teile der in der Kirche befindlichen Grabdenkmale den Schutthang herab gepoltert, da die Bagger schon ziemlich tief in der Erde stehen. Es ist nicht möglich, auch nur einen der schönen handgestrichenen teils bemalten Mauersteine aufzuheben .....
1968_05_30 Baggerhelfer Kratzsch zur Spr
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24.05.1968: VP-Protokoll zur Sicherung der Abrucharbeiten der Kirche
Antwort des Sächsisches Staatsarchiv Leipzig auf Anfrage von Stadtrat Obser, dass 8 Akten der Deutschen Volkspolizei durchgesehen konnten. In einer Akte wurde ein Protokollvermerk gefunden.
VP-Protokoll zur Sicherung der Abrucharbeiten der Kirche mit den Schwerpunkten:
- 8-Stundendienst Innenraum
- Kräfteplanung Außensicherung
- Bohrarbeiten beginnen am 27.05.1968
- Sprengung der Kirche für 30.05.68 geplant
Stadtrat Ritter will von Gerichtsmedizin Gutachten, dass nicht mehr ausgegraben werden braucht, da evtl. nur noch Staub vorhanden.
1968_05_24 VP-Protokoll Abbrucharbeiten
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21.06.1968: Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes zum Kongreßhallenprotest vom 20.06.1968
Sofortinformation der Stasi zum Entrollen des Plakats "Wir fordern Wiederaufbau" anlässlich der Abschlussveranstaltung mit Auszeichnung der Bach-Preisträger 1968.
2 Fotos wurden beigefügt.
1968_06_21 Stasi-Sofortmeldung zum Kongr
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13. Dezember 2006: Veröffentlichung einer Liste der in der Leipziger Universitätskirche St. Pauli begrabenen Persönlichkeiten durch Wieland Zumpe
Im Jahre 1964 schätzte Dr. Hans Nadler (Denkmalspflege Sachsen) die Zahl der in der Leipziger Universitätskirche St. Pauli begrabenen Persönlichkeiten auf ca. 800. Diesem folgend wird hiermit die erste, noch unvollständige Liste (mit über 500 Namen) freigegeben, damit alle Interessenten (Geschichtsinteressierte, Familienforscher, Übersetzer der Texte, Fahnder von Kunstgut und Schmuck) parallel sich den offenen Fragen widmen können. Die Nennung der Namen ist nur ein erster Schritt vor der notwendigen, umfangreichen Würdigung der Rektoren, Bürgermeister, Ärzte, Theologen, Physiker, Juristen, Mathematiker und vieler weiterer Persönlichkeiten, denen die Universität, die Stadt Leipzig und das Land Sachsen zu Dank verpflichtet ist. Insgesamt bleibt aber festzustellen, daß die sterblichen Überreste der meisten in der Universitätskirche Begrabenen über Jahrhunderte unangetastet bis zum Sonnabendmorgen, den 25. Mai 1968, verblieben.
Zitiert aus: paulinerkirche.org/graeber.htm
Liste der Toten aus der Universitätskirc
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2007: Frau Singer übergibt dem Paulinerverein 2007 einen Schädel, der unmittelbar nach der Sprengung der Paulinerkirche aufgefunden wurde (im Mai 2011 übergibt sie eine Erläuterung dazu)
Durch die·Detonation wurde dieser Schädel unmittelbar vor die Straßenbahn geschleudert. Ohne über eventuelle Konsequenzen nachzudenken, nahm Herr Seifert aus Brandis diesen an sich und übergab ihn zum Schichtwechsel meinem Vater. Ich hoffe und wünsche mir, dass er seine letzte und damit endgültige Ruhe findet.
2011_05 Schädel.pdf
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12.05.2018: Herr Krimmling übergibt dem Paulinerverein einen Schädel, den er 1970 bei Bauarbeiten an dem DDR-Nachfolgebau der Uni-Kirche fand
Als 20jähriger war er im Jahr 1970 als Klempner bei dem Betrieb „Technische Gebäudeausrüstung“ für den Bau einer neuen Rohrleitung eingesetzt worden. .... Herr Krimmling bemerkte auf dem Grund, am unteren Ende des Förderbandes menschliche Knochen. Das Band wurde abgeschaltet, und es gelang Herrn Krimmling hinab zugelangen und 2 menschliche Schädel, die nebeneinander lagen, zu orten. Nur einer der beiden konnte von ihm vollständig geborgen werden.
2018_05_12 Schädel.pdf
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2011: Auszug aus dem Buch von Manfred Wurlitzer zur Universitätskirche St. Pauli "Grabstätten, missachtet, zerstört, vergessen": Die Bergung der Kunstgegenstände aus der Universitätskirche
Nahezu unbekannt bleibt bis heute die Tatsache der vollständigen Zerstörung der zahlreichen historischen Grabstätten in der Universitätskirche vor der Sprengung. Diese Aktion, die unter den Bedingungen einer besonderen Geheimhaltung stattfand, beschrieb der Zeitzeuge Winfried Krause in Gesprächen mit dem Autor aufgrund der Erlebnisse bei seinem Einsatz wenige Tage vor der Sprengung. Zusammen mit den Aufzeichnungen der Stadt Leipzig offenbart sich ein Bild von Pietätlosigkeit, die kaum anders als mit Grabschändung und Grabraub bezeichnet werden kann. die kaum anders als mit Grabschändung und Grabraub bezeichnet werden kann. Die Verantwortlichen hatten dafür Sorge getragen, dass die Spuren verloren gegangen sind, die den Verbleib der Gebeine verraten würden.
Buch Wurlitzer Kap10.pdf
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2015: "Der Umgang mit den Grabstätten" von Manfred Wurlitzer
Nach einer Vorlage des Oberbürgermeisters Kresse beschloss der Rat der Stadt Leipzig am 10.07.1968 die Beisetzung von Gellert in der Abteilung I, Nr. 21 des Südfriedhofes und des Wundarztes Schmid in der Abteiling II, Nr. 120. Ausdrücklich wird betont, die Öffentlichkeit auszuschließen. So wurden die sterblichen Überreste .... ohne Zeremonie bei Nacht und Nebel überführt und beigesetzt. Die mutwillige Zerstörung des Gellert-Sarkophags noch vor der Sprengung des Gebäudes bestätigten mehrere Personen unabhängig voneinander.
Nach kurzer Zeit hieß es aber: ‚Die Orgel wird nicht abgebaut, sie ist Schrott, denn es ist keine Silbermann-Orgel‘.
Sollte die Universität Interesse bekunden, Gebeine bestimmter Personen zu bergen, müssten entsprechende Vorbereitungen .... getroffen werden. Es ist nicht bekannt, dass die Universität diesbezüglich aktiv geworden wäre. So wurden die Grüfte den Baggern überlassen.
Wurlitzer Der Umgang mit den Grabstätten
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Hinweis:

Weiteres zum Buch finden Sie auf der Seite "Veröffentlichungen des Paulinervereins 2011"

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22.02.2015: Buch "Das Schicksal der beiden Orgeln der Leipziger Paulinerkirche"
"Das Schicksal der beiden Orgeln der Leipziger Paulinerkirche"
„Nicht vergessen können“ so nennt Doz. Dr. phil. habil. Christoph Schwabe in seinem Buch „Das Schicksal der beiden Orgeln der Leipziger Paulinerkirche“ und berichtet darin über seine eigenen Erlebnisse im Zusammenhang mit der Zerstörung der Universitätskirche im Jahre 1968. Zwei Kapitel widmet er darin dem Universitätsorganisten Robert Köbler.
2015_02_22 Inhalt Buch Schwabe.pdf
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