Ziele des Paulinervereins

 

Der Paulinerverein wurde 1992 als Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der 1968 auf Geheiß der SED gesprengten Universitätskirche in Leipzig gegründet.

Seine Ziele sind:

  • die Erinnerung an den barbarischen Willkürakt der Zerstörung von Universitätskirche und Augusteum in der Bevölkerung zu bewahren
  • die Universität Leipzig bei der Erhaltung und Pflege der geborgenen Kunstwerke zu unterstützen und
  • der Wiederaufbau der beiden geschichtsträchtigen Gebäude.

Die Universitätskirche war ein Ort deutschen Geisteslebens. In ihr wirkten  Bach, Gellert, Kuhnau, Hiller, Mendelssohn, Reger u.a.. Deshalb setzt sich die Bürgerinitiative bei den Neubauten am Ort der alten Universität für eine möglichst weitgehende Erinnerung, insbesondere an die Universitätskirche und deren Wiedergewinnung als historisch bedeutsamen Sakralbau ein.

 

Dem Engagement des Paulinervereins ist es zu verdanken, dass im Ergebnis einer dritten Wettbewerbsetappe 2004 der Entwurf des niederländischen Architekten Erick van Egeraat ausgewählt wurde. Dieser Entwurf fand Zustimmung, weil er am deutlichsten die verlorengegangene Universitätskirche aufnimmt. 

 

Nach der Juryentscheidung hat die Universitätsleitung einschneidende Veränderungen am Entwurf des Innenraumes im Sinne einer Multifunktionshalle durch Entfernung von Pfeilern, die Installation von überbordenden Lichtsäulen und die Trennung von Chor und Schiff durch eine raumhohe Wand aus Glas durchgesetzt.

 

Einen hohen kunsthistorischen Wert stellt die zu großen Teilen unmittelbar vor der Sprengung gerettete reiche Ausstattung der Kirche dar. Dazu gehören der gotische Altar, die barocke Kanzel und zahlreiche Epitaphien, Holzbildwerke und Gemälde. Sie sollen nach den Vorstellungen des Paulinervereins vollständig an ihrem historischen Platz präsentiert werden. Für ihre Restaurierung und Aufstellung stellt der Verein Geld aus Spenden bereit. Über die Aufstellung der Barockkanzel gibt es noch keine verbindlichen Festlegungen. Wegen fehlender Chorschranken können nicht alle der geretteten Epitaphien in der Kirche aufgestellt werden.

 

Eine derart veränderte Gestaltung des Innenraums hat sich weit von der Idee eines Wiederaufbaus der Universitätskirche entfernt. So bleiben als Ziele die vollständige Restaurierung und Rückführung aller Kunstwerke, insbesondere der Kanzel, die Öffnung der Deponie, wo die Trümmer und Reste des gesprengten Kulturgutes verschüttet sind, der Einbau der Chorschranken und der Seitenemporen, die Vollendung der gekappten Pfeiler und der Ausbau der Trennwand.

 

Die neue Universitätskirche St. Pauli wird künftig, wie auch schon in der Vergangenheit, als Gottesdienststätte, als

Aula und als Konzertraum dienen. Der Paulinerverein hat die Aufgabe, auch weiterhin die Gestaltung und Nutzung der Universitätskirche, insbesondere die Kirchenmusik, zu fördern und darauf hinzuwirken, den Namen Universitätskirche St. Pauli entsprechend der 1545 durch Martin Luther vollzogenen Widmung uneingeschränkt zu gebrauchen.